Interview mit Mainz 05-Star                       Christoph Moritz

Wie ist es, sich als Fußballer in der Stadt zu bewegen oder einkaufen zu gehen? Werden Sie oft erkannt?

Nein gar nicht, also vielleicht mal erkannt, aber mir selber fällt das gar nicht so auf, meiner Freundin fällt es eher auf, dass die Leute ab und zu mal schauen. Im Gegensatz zum Loris (Karius) zum Beispiel bin ich ja zum Glück noch unscheinbar.

 


Was ist ihr Lieblingsrestaurant hier in Mainz und welches Essen würden Sie uns dort empfehlen?

Lieblings Restaurant? (lacht) Zu „Bratwurst Glöckle“ gehen wir relativ häufig.

 

Dann erübrigt sich ja die Frage, was Ihr Lieblingsessen ist.

Currywurst mit Fritten ist ganz gut, ansonsten Rahmschnitzel im Bogarts; ist zwar kein Restaurant, aber eine gute Billardhalle am Mombacher Kreisel.

 

Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade trainieren oder Fußball spielen?

Wir gehen relativ oft Billard spielen, aber auch Karten spielen wir oft. Früher habe ich sehr oft Badminton oder Tennis gespielt, aber nach meiner Rückengeschichte habe ich das so ein bisschen schleifen lassen, weil mir Badminton total auf den Rücken gegangen ist.

 

Wo waren Sie zuletzt in Urlaub?

Der letzte Urlaub war mit Freunden auf Mallorca und mit meiner Freundin in Griechenland.

 

Warum ausgerechnet diese Ziele?

Also Mallorca bietet sich halt an, da haben wir jetzt die letzten zwei Jahre immer mit zehn Leuten eine Finca gemietet. Das ist relativ preisgünstig und direkt in der Nähe des Strandes und auch in der Richtung, sodass man abends gut feiern gehen kann. Ansonsten haben wir noch darauf geachtet, dass man immer einen großen Garten hat und dann haben wir die Fußball-Tennisfelder aufgebaut und einen Aktivurlaub gemacht.

 

Lesen Sie oder schauen Sie lieber Fernsehen?

Beides! Also Fernsehen tut man ja mittlerweile fast gar nicht mehr, dann eher Amazon-Prime, wo ich halt direkt Sendungen auf Abruf schauen kann. Wenn ich lese, dann meistens E-Books.

 

Haben Sie ein Lieblingsbuch oder einen Lieblingsfilm?

Nein. Ich lese Romane eigentlich nur im Urlaub. Meistens lese ich Biografien.

 

Welchen Musikstil hören Sie?

Ich habe keinen Lieblingsmusikstil an sich, eher ganz wild durcheinander. Ich war beispielsweise schon mal auf einem Adel Tawil-Konzert, aber auch auf einem Bushido-Konzert; sozusagen von A-Z.

 

Was ist Ihr Lebensmotto?

Bei uns im Badezimmer steht auf dem Waschbeckenstöpsel „Et kütt, wie et kütt“. Das ist Kölsch und heißt: „Es kommt, wie es kommt.“

 

In welchem Alter haben Sie mit dem Fußball begonnen?

Im Verein habe ich mit vier Jahren angefangen. Meine Eltern haben mir erzählt, dass ich schon immer einen Fußball dabei hatte. Gerade als ich laufen konnte, habe ich also schon gespielt.

 

Wie kamen Sie dazu?

Mein Vater hat immer Fußball bei uns im Dorf gespielt und dadurch bin ich schon relativ früh mit auf den Fußballplatz gegangen.

 

Sie haben vorhin erzählt, dass Sie früher auch mal Badminton und Tennis gespielt haben. Haben Sie außer diesen beiden auch noch andere Sportarten ausprobiert?

Aktiv nicht, aber ausprobiert fast alles. Wir machen oft eine „Olympiade“. Wenn mich Kumpels von zu Hause besuchen, setzen wir uns so ca. 15 Disziplinen zum Ziel und solange die hier sind, machen wir die dann. Wir spielen Squash, Badminton, Billard, Bowling usw..

 

Bei welchem Verein haben Sie in der Jugend begonnen, Fußball zu spielen?

In meinem Heimatdorf Viktoria Arnoldsweiler, das liegt zwischen Köln und Aachen. Danach bin ich dann zu Alemannia Aachen und danach in die zweite Mannschaft von Schalke 04.

 

Wollten Sie schon immer Fußballprofi werden?

In den Freundschaftsbüchern habe ich das schon immer als Traum angegeben, aber es war immer so weit weg. Ich wollte das schon irgendwie zum Beruf machen, aber die Schule ging immer vor. Es war schon wichtig, dass ich die Schule zu Ende mache. Mit 19 hatte ich dann die Möglichkeit zur zweiten Mannschaft von Schalke 04 zu gehen und nach der Schule muss man ja sowieso zum Zivildienst oder zur Bundeswehr. Bei Schalke war der Zivildienst nebenbei möglich, den ich sowieso ableisten musste und da habe ich mit meinen Eltern vereinbart, dass ich es so ein, zwei Jahre mit Fußball versuche und ansonsten müsste man in einen kleineren Verein zurückgehen, um das Studium nebenher zu machen.

 

Was wäre Ihr „Plan B“ gewesen?

Ein Sportstudium.

 

Hatten Sie in Ihrer Jugend einen Lieblingsfußballer?

Ja, Zinédine Zidane.

 

Jetzt immer noch?

Ja. Er spielt zwar nicht mehr, aber die Klick-Zahlen bei Youtube bei den einzelnen Videos von ihm sind wahrscheinlich zu einem hohen Prozentanteil von mir.

 

Wieso ausgerechnet Zinédine Zidane?

Mir hat es immer gefallen, wie er Fußball gespielt hat. Er hat ab und zu seine Aussetzer gehabt. Ich weiß gar nicht, ich glaube, er hat acht, neun, zehn Rote Karten bekommen. Dies kann ich nicht auf mich ableiten, aber es hat immer Spaß gemacht ihm zuzuschauen.

 

Welches Ereignis war der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Höhepunkt würde ich jetzt gar nicht sagen, aber als wir damals den DFB-Pokal gewonnen haben, das war schon was. Aber ich habe mich im Winter damals verletzt. Das Achtelfinale habe ich noch gespielt, aber das Viertelfinale, Halbfinale und Finale nicht und den ganzen Winter konnte ich auch nicht mehr spielen. Deswegen sehe ich das nicht unbedingt als großen Gewinn an. Bei einem wichtigen Finale habe ich eben noch nicht auf dem Platz gestanden, aber ansonsten ist jedes Bundesligaspiel schon ein Erlebnis.

 

Können Sie sich an ein Tor von Ihnen erinnern, das besonders schön oder wichtig war?

(lacht) Ich habe erst drei Bundesligatore gemacht. Die schönsten waren noch die aus der Jugendzeit.

 

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach dem Fußball?

Konkrete nicht, aber da ich noch kein abgeschlossenes Fernstudium habe, wird es wohl das. Ich habe noch ein paar alte Kollegen, zum Beispiel Matthias Schober, der zweite Torwart bei Schalke damals, die haben es auch zum Ende ihrer Karriere hinbekommen, in zwei, drei Jahren das BWL-Fernstudium abzuschließen. Ob man das dann so zum Ende neben dem Fußball noch hinkriegt, weiß ich nicht. Ein konkretes Ziel, wie eine Firma aufzumachen oder so habe ich aber noch nicht.

 

Welche drei Eigenschaften sollte ein Jugendlicher haben, der -genau wie Sie- Fußballprofi werden möchten?

Das Wichtigste ist einfach, wenn man keinen Spaß daran hat, jeden Tag auf den Bolzplatz zu gehen, wird es schwierig. Für mich war es zum Beispiel in der Jugendphase so, dass ich schon relativ früh in diesem Rhythmus war: Sechs mal trainieren, Fahrdienst hin, Fahrdienst zurück und Schule nebenher. Da haben einige andere Spieler schon ein bisschen den Spaß am Fußball verloren. Und wenn man dann mit 16 oder 17 Jahren nicht übernommen wird, dann kann man den Spaß am Fußball total verlieren. Das war bei mir nie der Fall. Es ist auch heute noch so, dass ich jeden Tag Bock habe Fußball zu spielen. Gerade hier: Ich wohne nur zwei Minuten vom Trainingsplatz entfernt und kann mit dem Fahrrad oder dem Roller hinfahren. Das fühlt sich heute noch so an, als ob man auf den Bolzplatz fährt. Es ist sogar noch besser wie der Bolzplatz früher. Man kommt mit nix hin, zieht seine Fußballschuhe an, geht kicken und bekommt alles gewaschen (lacht). Es ist schon ein Traum, wenn man dabei ist.

 

Wie haben Sie am vergangenen Freitag von den Terroranschlägen in Paris erfahren und was war Ihr erster Gedanke?

Ein Freund von mir von Zuhause hat mich besucht und wir haben eine „Olympiade“ gemacht, von der ich vorhin schon erzählt habe und kurz bevor wir fertig waren, hat es geknallt bei der Übertragung des Spiels im Fernsehen. Dann sind wir von der Billiard-Halle nach Hause und dachten, das wären irgendwelche Zuschauer, die Böller gezündet haben. Kurz darauf haben wir ARD geschaut und die Berichte gesehen.

 

Kennen Sie einen Nationalspieler persönlich, der am Freitag in Paris auf dem Platz stand?

Persönlich kenne ich schon einige, aber Kontakt habe ich meistens nur noch mit Benedikt Höwedes. Er war allerdings verletzt, hatte sich die Hand gebrochen. Ich bin froh, dass er nicht in Paris dabei war und das miterleben musste.

 

Eigentlich wollten wir Sie jetzt an dieser Stelle fragen, ob Sie es richtig finden, dass das Länderspiel gegen Holland am Dienstag trotzdem stattgefunden hat. Leider kam es ja dann doch anders. Angenommen das Spiel hätte wie geplant stattgefunden und Sie hätten daran teilgenommen; mit welchem Gefühl wären Sie auf den Platz gegangen?

Irgendwie war mir nach dem Anschlag klar, dass es jetzt viele geben wird, die als Trittbrettfahrer ganz groß rauskommen wollen. Aber ich glaube, das ist nicht nur der Fußball, der anfällig für so etwas ist, deshalb ist alles irgendwie schwierig jetzt. Hätte Mainz 05 gespielt und ich wäre dabei gewesen und wir hätten davor erfahren, dass etwas passieren könnte, dann wären wir die Letzten, die sagen würden, wir spielen nicht, denn wir haben Vertrauen in die Polizei und die Sicherheitskräfte. In den letzten Jahren dachte man, die Bedrohung wäre weit weg und so etwas könnte in Europa gar nicht passieren. Ich hoffe mal, dass am Wochenende, wenn vielleicht einfache Böller im Stadion hochgehen, alle ruhig bleiben.

 

Interessieren Sie sich für Politik oder lesen Sie Zeitung?

Zeitung ja, über meist als E-Paper und dann die BILD-Zeitung, aber auch oft die „Aachener Zeitung“, also meine Heimatzeitung. Hier habe ich das Abo von meinen Eltern zu Hause. Ich würde jetzt lügen, wenn ich sagen würde, dass ich jeden politischen Artikel lese, aber hauptsächlich lese ich den Sportteil, dann aber nicht nur Fußball, sondern auch andere Sportarten. Wenn aktuellere Sachen bevorstehen, zum Beispiel Wahlen etc., interessiere ich mich ebenfalls ein wenig dafür.

 

Was denken Sie über den derzeitigen Umgang mit den Flüchtlingen, die in Europa ankommen?

Das ist ein schwieriges Thema. Wir hatten vor circa einem Monat einige Flüchtlinge, die hier mitgespielt haben. Eine Begleiterin meinte, dass viele ihre Familien verloren haben. Einige haben sich das gar nicht anmerken lassen. Jedenfalls hat man ihnen den Spaß, welchen sie beim Kicken hatten, angesehen. Prinzipiell denke ich, wir sind so ein privilegiertes Land und natürlich versuchen wir, so vielen Menschen wie möglich Hilfe und Schutz zu geben. Da gibt es so viele Möglichkeiten, wie man ihnen helfen kann und es besser lösen kann, aber ich glaube, ich wäre der Letzte, der einen kompletten Plan A aufstellen kann.

 

Sie haben grade das Wort ,,helfen" genannt. Da gibt es auch Menschen, die nicht helfen, wie zum Beispiel die, die die Asylbewerberheime anzünden. Haben Sie dazu eine Meinung?

Ich glaube, dazu gibt es keine zwei Meinungen. Leute, die so etwas tun, sind auf derselben Stufe wie die Terroristen, welche Leute in die Luft sprengen. Leider glaube ich aber auch, es ist mittlerweile immer noch sehr leicht, in Deutschland mit solch einer Straftat davonzukommen.

 

Was würden Sie in Europa ändern wollen, wenn Sie könnten?

Bisher war ich ehrlich gesagt immer zufrieden mit Europa. Man muss schon sagen, dass es teilweise von Region zu Region krasse Unterschiede gibt. Viele Flüchtlinge kamen ja aber nicht umsonst ausgerechnet nach Europa. Deswegen sollte man eher in den Ländern viel ändern, aus denen die Flüchtlinge kommen; dass man dort den Menschen mehr hilft. Klar, das ist immer leichter gesagt, als getan, aber das sollte das Ziel sein, dass die Leute nicht mehr flüchten müssen, beispielsweise wegen des Kriegs.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Auch der 1. FSV Mainz 05 berichtet auf seiner Homepage von unserem Besuch.

HIER geht es zum Artikel. 


(Amal Ahmed und Marko Lazic, 10t; Lisa Schreiber, Maryam Shafeek und Narin Abdullah, 10r; Pascal Stiefel, 9r); 7.12.2015